Umfrage: Niedrigzinsumfeld trübt weiter Kapitalmarktaussichten

Die Niedrigzinsphase hat jüngst einen neuen Negativrekord erreicht: Der zehnjährige-Eurozinsswapsatz liegt mit aktuell 0,05 % (Stand: 31.07.2019) auf einem historischen Tiefpunkt. Auch wenn oder gerade weil das Marktumfeld niedriger Zinsen kein neues Phänomen ist, stellt es die Kapitalanleger vor die besondere Herausforderung, die Kundengelder zu möglichst attraktiven Renditen anzulegen und gleichzeitig, je nach Sparte, hohe Rechnungszinsen zu finanzieren.

Aus diesem Grund fragten wir im Rahmen des diesjährigen Marktausblicks relevante Entscheider aus dem Asset Management von Versicherern nach ihren Kapitalmarkterwartungen sowie den Implikationen für das eigene Portfolio. Die Online-Befragung fand in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juni statt. Insgesamt haben zwanzig Teilnehmer ihr Meinungsbild für die verschiedenen Sparten beziehungsweise Konzernunternehmen abgegeben. Im Folgenden stellen wir die wesentlichen Ergebnisse zur Zinssituation vor.

Anfang Juni hatte die EZB angekündigt, den Leitzins frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2020 zu erhöhen. Die befragten Kapitalanleger antizipierten diese Entwicklung bereits und rechnen in absehbarer Zeit nicht mit einer Leitzinserhöhung, sondern gehen davon aus, dass die EZB auch im kommenden Kalenderjahr ihre seit 2016 andauernde Nullzinspolitik fortführen wird.

Die Nullzinspolitik der EZB hat unmittelbaren Einfluss auf die Kapitalmarktzinsen. Im Befragungszeitraum rechnete die Mehrheit der Kapitalanleger noch damit, dass die  zehnjährigen Bundesanleihe zum 31.12.2019 mit immerhin mehr als 0 % rentiert, wenn auch zumeist nur knapp.

Demgegenüber liegen die Kapitalanleger mit den pessimistischeren Antworten derzeit näher am Marktniveau als von vielen gehofft. So rentiert die zehnjährige Bundesanleihe Stand 31.07.2019 mit rund  -0,40 % ebenfalls auf dem historischen Tiefpunkt und bewegt sich damit auf dem Niveau des EZB-Einlagensatzes (-0,40 %), zu dem die Banken über Nacht Geld bei der EZB parken können.

Dies zeigt die große Unsicherheit an den Kapitalmärkten und die damit verbundene Flucht in den "sicheren Hafen", der für viele Versicherer aufgrund von Zinsanforderungen der Altgarantien jedoch keine dauerhaft tragfähige Option darstellt.

Nach Einschätzung von Assekurata rechnen viele Versicherer in ihren Basis-Unternehmensszenarien zudem noch mit (leicht) steigenden Zinsen. Ob dies realitätsgerecht und hinreichend vorsichtig ist, darf in Anbetracht der neuerlichen Extremzinsbedingungen durchaus diskutiert werden.

Die düsteren Zinsannahmen schlugen sich bereits im Befragungszeitraum negativ in der allgemeinen Erwartungshaltung zur Kapitalmarktentwicklung nieder. Während wenige Marktteilnehmer eher zustimmen, dass 2019 unter Kapitalanlagegesichtspunkten ein gutes Jahr wird, äußert sich die Mehrheit neutral bis negativ. Zudem haben wir erhoben, in welchen Entwicklungen die Teilnehmer Bedrohungen für die europäische Wirtschaft sehen. Dabei geht nach Ansicht von 30 % der Befragten von der Niedrigzinspolitik eine hohe oder sehr hohe Gefahr aus. Sollten sie recht behalten, steht nicht weniger als die Stabilität des Euro-Raums auf dem Prüfstand. Spannend dürfte in diesem Zusammenhang sein, zu welchem Urteil das Bundesverfassungsgericht im Hinblick auf die Zulässigkeit des EZB-Anleihenankaufsprogramms kommt.

 

Basis für die Darstellungen in diesem Beitrag ist eine empirische Umfrage unter Entscheidern im Asset Management, die wir anlässlich des Assekurata-Marktausblicks zur deutschen Versicherungswirtschaft 2019/2020 vorgenommen haben.An dieser Online-Befragung haben in der Zeit von Mitte Mai bis Mitte Juni 2019 insgesamt zwanzig Kapitalanleger teilgenommen und ihre Einschätzung für Konzernunternehmen aus verschiedenen Sparten geäußert.

Im Sammelreport Marktausblick zur Versicherungswirtschaft 2019/2020 zeichnen wir neben Aspekten der Kapitalanlage auch wieder ein aktuelles Bild über die Situation und Stimmung in der Lebensversicherung, der privaten Krankenversicherung und der Schaden-/Unfallversicherung. Wie gewohnt belassen wir es dabei nicht bei der Darstellung der reinen Fakten, sondern kommentieren die wesentlichen Markttrends aus der Assekurata-Perspektive und wagen an verschiedenen Stellen einen Blick in die Zukunft.

Nähere Informationen über den Bezug des Reports finden Sie hier.

 

 

Author: Alina Trierscheid (Analystin ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH)

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