bKV: "Gesundheit ist in aller Munde. Dies kann sich als Türöffner erweisen"

Die Corona-Pandemie stellt gerade Versicherer sowie Vermittler betrieblicher Versorgungslösungen vor große Herausforderungen. Home-Office, Kurzarbeit, Kontaktbeschränkungen und wirtschaftliche Rezession erschweren die Ansprache von Arbeitgebern und deren Mitarbeiter. Einige Marktteilnehmer sehen in dieser Situation aber durchaus Chancen für die betriebliche Krankenversicherung (bKV). Wir wollten von Senator h. c. Marco Scherbaum, Geschäftsführer des Maklerunternehmens Health for all, wissen, wie sich die Situation derzeit in diesem Segment darstellt.

Assekurata: Herr Scherbaum, mit Ihrem Maklerunternehmen sind Sie ausschließlich auf die Vermittlung von betrieblichen Krankenversicherungen spezialisiert. Wie erleben Sie die derzeitige Situation bei den Firmenkunden?

Marco Scherbaum: In der bKV zeigt sich mir ein positives Bild. Dies liegt sicherlich unter anderem daran, dass die bKV, anders als in der bAV, nach dem Prinzip „top-down“ direkt vom Arbeitgeber als arbeitgeberfinanzierte Kollektivlösung zugunsten der Arbeitnehmer entschieden und eingeführt wird. Das Besondere also: Bei der bKV-Umsetzung bedarf es keiner Einzelberatung oder Zustimmung der Belegschaften und wird daher sozusagen direkt am Tisch des Arbeitgebers durch die Entscheider zur Chefsache erklärt.

Natürlich war das zweite Quartal vom Lockdown geprägt und führte zu einer temporären Zwangspause. Sicherlich gibt es Branchen, die stark betroffen sind, ggfs. noch länger mit der Krise zu kämpfen haben werden, in Kurzarbeit stecken oder sich aus Zukunftsängsten verständlicherweise zurückhaltend verhalten.
Online-Besprechungen haben uns während der Corona-Beschränkungen die Möglichkeit gegeben, die Lücke des fehlenden persönlichen Kontakts zu schließen. So konnten wir dennoch die Verbindung zu unseren Firmenkunden pflegen und sogar mitten in der Krisenzeit den ein oder anderen Neukunden gewinnen.

Seit Beginn der 2. Jahreshälfte beobachte ich erfreulicherweise keine generelle Zurückhaltung. Der Terminkalender ist wieder gut gefüllt und Beratungstermine finden in den Firmen vor Ort statt, unter Einhaltung der Hygieneregeln. Aus meiner subjektiven Wahrnehmung hat die Pandemie bei einigen Personalverantwortlichen zu einem Bedeutungswechsel geführt und das wichtige Thema der betrieblichen Gesundheitsversorgung sogar verstärkt in den Fokus gerückt.

Assekurata:Welche Tipps würden Sie als Spezialist in diesen Zeiten Vermittlern nahelegen?

Marco Scherbaum: Fakt ist: Gesundheit ist in aller Munde. Dies kann sich als Türöffner erweisen.
Mit der betrieblichen Krankenversicherung geben wir Arbeitgebern eine moderne und nachhaltige Lösung an die Hand, um Arbeitnehmern über die obligatorische Kollektivabsicherung den Zugang zu einer hochwertigen Gesundheitsversorgung zu bieten. Davon profitieren alle – während der Corona-Pandemie und darüber hinaus.

Gerade in diesen schwierigen Zeiten sollte die bKV bei Firmenkunden aktiv angesprochen werden. BaV-Makler können beispielsweise mit ihren Firmenkunden darüber sprechen, wie die bKV mit hochwertigen Leistungen im Gegensatz zu bAV bereits in der Erwerbsphase positive und gewinnbringende Wirkung in der Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer erzielt.

Eine bessere Gelegenheit zur Ansprache gibt es für den Vertrieb doch nicht! Also: Auf was warten?

Assekurata: Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Faktoren, um in der bKV als Anbieter erfolgreich zu sein?

Marco Scherbaum: Die betriebliche Krankenversicherung muss in erster Linie auf die individuellen Wünsche, Ziele und Anforderungen der Unternehmer abgestimmt sein. Neben Transparenz konkreter Leistungsinhalte der unterschiedlichen Tarife der Versicherer spielen Aspekte wie ressourcenschonende Ablaufprozesse, Services sowie Akzeptanz, Erlebbarkeit und zielgerichtete Wirkung eine zentrale Rolle bei der Anbieterauswahl.

Anders als in der Welt der reinen privaten Zusatzversicherung müssen in der bKV, wie schon angesprochen, die Leistungszusagen und Ablaufprozesse der Anbieter auf die Arbeitgeberwelt abgestimmt sein. Da braucht es schon mehr als nur Tarife zur Absicherung für Brille, Zahn und Heilpraktiker. Das heißt: schlanke Prozesse in Sachen Bürokratie auf Arbeitgeberseite.

Damit meine ich beispielsweise Uniage-Beiträge unabhängig vom Alter der Mitarbeitenden, Wegfall von Gesundheitsfragen und Wartezeiten, digitale Wege für Anmeldung von neuen Mitarbeitern sowie für die Mitversicherung von Familienangehörigen. Weiterer entscheidender Erfolgsfaktor ist die Attraktivität des Leistungsversprechens – also eine hohe Erlebbarkeit der Leistungen in der Belegschaft und schnelle digitale Wege der Erstattung.

Assekurata: Wie bewerten Sie mit Ihrer langjährigen Expertise als bKV-Makler die Qualität der derzeitigen Angebote – auch mit Blick auf das Interesse der Wirtschaft an der Reduzierung von Fehlzeiten?

Marco Scherbaum: Zum Ausfallzeiten- und Ausfallkostenmanagement gehört mehr als nur das Angebot aus der Regelversorgung der Krankenkassen. Um nachhaltig eine Senkung der Fehlzeiten zu erzielen, bieten sich vor allem Leistungsbausteine der betrieblichen Krankenversicherung mit hochwertigen Vorsorgeuntersuchungen an, stationäre Wahlleistungen sowie Assistance-Leistungen, wie der schnelle Zugang zum Facharzttermin. Denn: Über Früherkennung besteht die realistische Chance, Ausfallzeiten aufgrund chronischer Krankheiten zu verringern oder gar zu vermeiden. Auf der anderen Seite können effektivere Behandlungsmethoden und die verbesserte medizinische Versorgung sowie verkürzte Wartezeiten auf den wichtigen Arzttermin Fehlzeiten positiv beeinflussen.

Hier sind Versicherer gefragt, im Rahmen ihrer Produktentwicklungen künftig verstärkt an zielgerichteten innovativen Leistungsbereichen zu arbeiten – vor allem im Bereich Prävention, Flexibilität in der Auswahl von ärztlichen medizinischen Leistungen sowie Services.

Assekurata: Als Autor haben Sie das Buch "Gesundheit für alle – Revolution der betrieblichen Gesundheitsversorgung" geschrieben. Wie ordnet sich die bKV im betrieblichen Gesundheitsmanagement ein?

Marco Scherbaum: Zunächst sollte man die Begrifflichkeit des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) definieren. Mein Credo – und da werde ich nicht müde dies immer wieder deutlich zu machen: Lediglich ein Obstkorb im Büro oder der Yoga-Kurs am Gesundheitstag als isolierte Einzelmaßnahme macht noch kein Gesundheitsmanagement aus!

Themenfelder wie Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, betriebliches Eingliederungsmanagement oder die Gefährdungsbeurteilung zählen zu den Pflichten eines Arbeitgebers. Die obligatorische betriebliche Krankenversicherung ist als Teil des BGM hingegen der betrieblichen Gesundheitsförderung zuzuordnen. Als freiwillige Maßnahme, in der Sozialverantwortung des Betriebes, ist die bKV aus meiner Sicht daher die Kür in Sachen Gesundheitsmanagement.

Die betriebliche Krankenversicherung punktet zudem durch Nachhaltigkeit, Akzeptanz, hohe Inanspruchnahme und ist somit als moderne Benefitleistung bei Arbeitnehmern beliebt.

Assekurata: Als europäischer Wirtschaftssenator für das Ressort betriebliche Gesundheitskonzepte verfügen Sie auf EU-Ebene über einen guten Überblick. Wie steht Deutschland bei diesem Thema im europäischen Vergleich da?

Marco Scherbaum: In Europa treffen wir auf verschiedene nationale Gesundheitssysteme, die erhebliche Unterschiede aufweisen. Deutschland ist bekannt für sein Gesundheitssystem. Es zählt zu einem der besten der Welt. Die wichtigste Erkenntnis auch in der aktuellen Corona-Krise: In keinem anderen europäischen Land ist der Zugang zu medizinischer Versorgung so zufriedenstellend wie in Deutschland. Dennoch führt die deutsche Regelversorgung der Krankenkassen zu Versorgungslücken. Der Bedarf kann durch private Zusatzversicherungen in Teilen abgesichert werden – oder eben über neue Wege der Kostenerstattung, aus der Sozialverantwortung und Fürsorge eines Unternehmens – über das arbeitgeberfinanzierte Modell der betrieblichen Krankenversicherung.

Mittlerweile bieten10.200 Unternehmen in Deutschland ihren rund 820.000 Mitarbeitern eine komplett vom Arbeitgeber gezahlte betriebliche Krankenversicherung. Das entspricht einem Wachstum von 32 Prozent gegenüber dem Jahr 2018. Damit ist Deutschland Vorbild innerhalb der EU.

Author: Senator h. c. Marco Scherbaum (Geschäftsführer des Maklerunternehmens HEALTH FOR ALL®)

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