Transparent, flexibel und renditestark

Interview mit Patrick Dahmen, Mitglied des Vorstands der AXA Konzern AG

Dr. Patrick Dahmen

Assekurata: Herr Dr. Dahmen, mit 2,86 % liegt die laufende Überschussbeteiligung für neu abgeschlossene klassische Rentenversicherungen 2016 branchenweit auf einem historischen Tiefpunkt. Wie attraktiv ist die Klassik damit noch?

Dr. Patrick Dahmen: Aus Sicht des Kunden bietet die klassische Lebensversicherung mit einem Fokus auf Zinsgarantien immer weniger eine attraktive und angemessene Balance zwischen Garantien und Ablaufleistungen. Dennoch gibt es Kunden, die explizit nach wie vor eine konventionelle Rentenversicherung – denn das ist sie heute in der Regel – wünschen. Für sie halten wir das Angebot weiterhin vor, auch wenn wir in der Beratung darauf hinweisen, dass sie aufgrund der Marktbedingungen heute nicht mehr erste Wahl für die Altersvorsorge sein kann.

Assekurata: Im Zuge der immer weiter sinkenden Deklaration setzen zunehmend mehr Gesellschaften anstelle der klassischen Lebensversicherung mit ihren lebenslangen Garantien auf alternative Lebensversicherungsformen. Kehrt auch Ihr Haus dem konventionellen Altersvorsorgegeschäft den Rücken?

Dr. Patrick Dahmen: Nein, wie gesagt bieten wir die konventionelle Rentenversicherung auch weiterhin an. Wir wissen, dass Garantien für Kunden immer noch wichtig sind. Doch Garantien kosten immer Rendite, was zur Folge hat, dass die Finanzierung einer bestehenden Rentenlücke bei sinkenden Zinsen immer teurer wird.

Es ist daher wichtig, sich auf die für den Kunden essentiellen Garantien zu konzentrieren. Und aus vielen Kundenbefragungen haben wir mitgenommen, dass dabei mindestens die eingezahlten Beiträge erhalten bleiben sollten. Und genau hier können sich die Lebensversicherer von Banken und Fonds differenzieren. Lebensversicherer können Garantien über den Deckungsstock generieren, der Risiken über die Zeit und das Kollektiv ausgleicht. Diesen Mechanismus nutzen wir auch bei unserer 2014 eingeführten Altersvorsorgelösung Relax Rente. Sie bietet eine Bruttobeitragsgarantie – dargestellt über den klassischen Deckungsstock. In Kombination mit einer Indexpartizipation und einer Fondsanlage lassen sich dann Renditepotenziale darstellen. Hinzu kommen verschiedene Wahlmöglichkeiten für den Kunden während der Laufzeit, um die Altersvorsorge an sich ändernde Lebensumstände anzupassen.

In der Produktvariante Comfort hat der Kunde zudem die Möglichkeit, das vorhandene Vertragsvermögen sukzessive gegen Kapitalverlust zu sichern. Hier wird automatisiert die anfänglich hohe Investition in kapitalmarktnahe Anlagen zum Laufzeitende hin sukzessiv in sichere Anlagen umgeschichtet. Zudem bietet die Relax Rente bei entsprechender Kapitalmarktperformance die Möglichkeit einer Garantieerhöhung.

Assekurata: Nun haben Sie in diesem Jahr Ihre Produktlinie Relax Rente um das Element Performance Flex erweitert. Was ist das Besondere an Ihrem Ansatz?

Dr. Patrick Dahmen: Der allgemeine Fokus bei den Produktneuerungen am Markt liegt nach wie vor auf der Ansparphase, Angebote für die Auszahlphase sind nach wie vor eher unflexibel und nicht ausreichend rentabel, da die Verrentung in der Regel konventionell erfolgt. Das wollten wir ändern, denn wir wissen aus diversen Befragungen, dass Ruheständler zu unterschiedlichen Zeitabschnitten des Ruhestandes auch unterschiedlichen Geldbedarf haben, Flexibilität wird also wichtiger.

Wir brauchen somit Konzepte, bei denen der Kunde seine Rente selbst in die Hand nehmen und an seine Bedürfnisse im Ruhestand anpassen kann. Daneben bleibt natürlich der Wunsch nach einer möglichst auskömmlichen Rente mit zusätzlichem Inflationsausgleich, und was bleibt, ist der Wunsch nach Garantien. All diese Anforderungen haben wir in die Entwicklung von Performance Flex einfließen lassen. Damit haben wir die Rentenversicherung zu einem transparenten, flexiblen und renditestarken Rentenkonto ausgebaut.

Assekurata: Wie machen Sie das und wo sehen Sie den konkreten Nutzen für Ihre Kunden?

Dr. Patrick Dahmen: Bei Performance Flex kann der Kunde auch im Rentenbezug über eine Indexbeteiligung deutlich höhere Renten erzielen. Gleichzeitig bleiben durch die Anlage des Vertragsvermögens im Sicherungsvermögen Garantien weiter erhalten. Und der Kunde kann den Geldfluss während des Rentenbezugs sehr individuell an seine Situation anpassen.

Dazu haben wir den Ruhestand in zwei Phasen gegliedert – die Aktiv- und die Ruhestandsphase. In der Aktivphase lässt sich die Rentenhöhe nach oben und unten variieren, es kann Geld entnommen oder zugezahlt werden. Zusätzlich kann beim Übergang in die nächste Phase erneut zwischen Kapitalauszahlung oder weiterer lebenslanger Verrentung gewählt werden.

Die Indexpartizipation lässt sich auf Wunsch auch ausschließen, dann ist das Vertragsvermögen im Deckungsstock der Axa Lebensversicherung AG investiert und wird konventionell verzinst. Bei Bedarf lässt sie sich ebenso wieder aktivieren. Mit dem Wechsel in die Ruhestandsphase verstärken wir den Sicherheitsaspekt, indem wir das Vertragsvermögen dann vollständig in das Sicherungsvermögen investieren.

Der konkrete Nutzen für den Kunden liegt also an der Möglichkeit, auch im Rentenbezug stärker Renditechancen nutzen zu können. Zum anderen kann er seine Rente sehr viel stärker als bislang selbst steuern und so viel besser an seine persönliche Situation flexibel anpassen.

Assekurata: Was kostet die höhere Flexibilität den Kunden?

Dr. Patrick Dahmen: Für die besonderen Flexibilitäten in der Aktivphase wird ein sogenannter „Flexibilitätsabschlag“ von 20 Basispunkten angesetzt. Basis ist die Überschussdeklaration des jeweiligen Jahres, von dieser werden die Basispunkte abgezogen. Die Höhe der Überschussdeklaration kann der Kunde dem jährlichen Geschäftsbericht oder auch den Medien entnehmen.

Assekurata: Viele Kunden wünschen sich in der Rentenphase verlässliche, regelmäßige und kalkulierbare Rentenzahlungen aus Ihrer Police. Können Sie dies sicherstellen, wenn das Kapital in eine Indexpartizipation einfließt?

Dr. Patrick Dahmen: Um Schwankungen der möglichen Rente für den Kunden möglichst gering zu halten, wird gezielt in  einen Multi-Asset Index investiert. Er legt weltweit in verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Rohstoffe an. Die Aufteilung in diese Klassen erfolgt auf Basis einer geringen Zielvolatilität und der Nobelpreisprämierten Portfoliooptimierung nach Markowitz.

Der Kunde kann so mit seinem Vertragsvermögen an den positiven Kursentwicklungen partizipieren, muss jedoch keine Verluste befürchten. Zur zusätzlichen Schwankungsreduktion wird die erhöhte Index-Rente oberhalb der Garantierente so bestimmt, dass sie bei einer konservativ angesetzten konstanten Wertentwicklung von zur Zeit 4,5 % bis zur Ruhestandsphase nicht fallen kann. Sollte die tatsächliche Wertentwicklung der Indexpartizipation niedriger als 4,5 % ausfallen, würde die erhöhte Index-Rente dennoch erst ab dem dritten Jahr fallen. Bei anschließend steigender Wertentwicklung würde auch die erhöhte Index-Rente wieder ansteigen.

Renditen oberhalb von 4,5 %, die nicht zur Finanzierung der erhöhten Index-Rente benötigt werden, können  am Ende der Aktivphase zur Erhöhung der Rente in der Ruhestandphase verwendet oder ausgezahlt werden.

Zum Vergleich: Bei der klassischen Verrentung ist die mögliche Rente auf Basis der jeweiligen Einjahres-Deklaration des Deckungsstocks kalkuliert. Dabei basiert diese mögliche Rentenhöhe auf der Annahme, dass die für nur ein Jahr angesetzte Deklaration bis zum Ablauf der Rentenzahlung unverändert bleibt. Da die Überschüsse jedoch jedes Jahr neu deklariert werden, schwankt auch die Höhe der klassischen möglichen Rente – gerade in Zeiten weiter fallender Zinsen.

Assekurata: Die neuen Lebensversicherungsprodukte sind oftmals komplex und beratungsintensiv. Auch die Relax Rente sieht verschiedene Varianten und Wahlmöglichkeiten vor. Wie stellen Sie sicher, dass Vermittler und Kunden das Konzept verstehen und verinnerlichen?

Dr. Patrick Dahmen: Wir haben unsere Vertriebspartner schon in der Entwicklungsphase sehr eng eingebunden. Damit haben wir ein Kompetenzzentrum etabliert, in das sich sowohl die Produktentwickler als auch die Vertriebsseite eingebracht haben. Zudem haben wir intensiv in die Qualifikation unserer Fachberater und vertrieblichen Führungskräfte investiert. So haben wir ein digitales Beratungstool entwickelt, das die Flexibilitäten und Wahlmöglichkeiten sehr anschaulich aufzeigt. Hierüber lassen sich die Auswirkungen von Änderungen in der Rentenhöhe, von Zuzahlungen oder Entnahmen einfach simulieren. Und unser Ansatz funktioniert, das bestätigen die vielen positiven Rückmeldungen unserer Vertriebspartner.