Geschäftslage und Geschäftserwartungen in der Lebensversicherung 2016

Von Abdulkadir Cebi, Bereichsleiter Analyse der ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur GmbH  

 

Abdulkadir Cebi

Zum Jahresbeginn liegen in der Regel noch keine gesicherten Kennzahlen zum Geschäftsverlauf im zurückliegenden Jahr vor. Auch die Erwartungen an die Geschäftsentwicklung sind meistens noch unkonkret. Da das überschussberechtigte Geschäft einen nicht unerheblichen Anteil am Neugeschäft ausmacht und die Deklaration dafür ein wichtiger Wettbewerbsparameter ist, nutzen wir die jährliche Deklarationsstudie, um entsprechende Einschätzungen von den teilnehmenden Unternehmen abzufragen.

Bereits zum vierten Mal haben wir danach gefragt, welche Geschäftserwartungen und Wachstumschancen die teilnehmenden Gesellschaften im jeweils anstehenden Geschäftsjahr sehen. In den beiden letzten Studien wurden die Gesellschaften zusätzlich um eine Einschätzung der aktuellen Geschäftslage mit Stand Dezember gefragt. Damit lässt sich ein Abgleich von aktueller Geschäftslage und Geschäftserwartungen durchführen. Insgesamt 45 Gesellschaften (Vorjahr: 50) haben in diesem Jahr hierzu geantwortet.

Insgesamt und für die einzelnen Versicherungsarten ergeben sich im Vergleich von Geschäftslage und Geschäftserwartungen folgende Antwortverteilungen.

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Die einzelnen Antworten von sehr negativ (= -2) bis sehr positiv (= +2) wurden in Form von Indizes wie folgt zusammengefasst.

Im Gegensatz zum Vorjahr geht die Lebensversicherungsbranche deutlich hoffnungsfroher ins neue Jahr. Vor allem im Gesamtgeschäft, der betrieblichen Altersvorsorge und dem fondsgebundenen Geschäft verbessern sich die Aussichten gegenüber der aktuellen Geschäftslage.

Durchweg in allen Bereichen ist die Erwartung an das Jahr 2016 hoffnungsfroher als die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage. Analog zu den Vorjahren sehen die befragten Unternehmen in der Berufsunfähigkeitsversicherung sowohl hinsichtlich der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage als auch bezüglich der Erwartungen an das kommende Jahr das größte Potenzial.

Vor dem Hintergrund der erneut abgesenkten Deklarationen ist die kritische Sicht auf die konventionelle Lebensversicherung wenig verwunderlich. Aber auch hier findet im Vorjahresvergleich keine Verschlechterung der Einschätzungen mehr statt. Die Ergebnisse zeigen damit eine gewisse Bodenbildung. Die Geschäftsfelder jenseits der konventionellen Lebensversicherung bieten vielen Gesellschaften neutrale bis positive Perspektiven. Besser fallen die Angaben einzelner Unternehmen zu den sonstigen Lebensversicherungen aus. Entsprechende Anmerkungen lassen schlussfolgern, dass es sich hier um Alternativen zum konventionellen Geschäft handelt. Ein Unternehmen bewertet deren Wachstumsperspektiven für 2016 sehr positiv, sieben positiv und zwei weitere neutral. Die Aussichten für 2016 sind somit differenziert, insgesamt aber stabilisieren sie sich.

Aus diesen Ergebnissen lässt sich ableiten, dass wir uns im deutschen Lebensversicherungsmarkt mitten in einem Paradigmenwechsel der Produktausrichtung befinden. Der Großteil des Marktes scheint diesen für sich in Angriff zu nehmen und die Zeichen mehren sich, dass dies aus Anbietersicht durchaus Chancen birgt.

Die Aussichten für das konventionelle Geschäft bleiben aus Sicht von Assekurata hingegen kritisch. Auf der Anbieterseite vermindert sich die Zahl der Verfechter des klassischen Geschäftsmodells. Die Bestandskunden müssen weiter mit niedrigen Überschüssen bzw. noch weiter sinkenden Renditen rechnen. Ursächlich dafür ist das Niedrigzinsumfeld und die damit verbundene Finanzierung der Garantien durch die Zinszusatzreserve. Die Ertragslage vieler Lebensversicherer bleibt damit unter erheblichem Druck und die Finanzkraft der Gesellschaften rückt nicht nur vor dem Hintergrund der Einführung von Solvency II in den Fokus, sondern auch bei der Auswahl von Anbieter und Produkt. Entscheidend sind hier neben dem Thema Kosteneffizienz vor allem eine starke Kapitalanlage mit vergleichsweise hohen laufenden Anlageergebnissen und Ertragspotenzialen, substanzielle Puffer in den Bewertungsreserven und ein ausgeprägtes Ausgleichsgeschäft zum Beispiel aus dem Biometriebereich.